Wie wird man Mangaka?

Für einen Manga Verlag arbeitende Autoren und Zeichner nennt man Mangaka (漫画家). Ein Mangaka ist in der Regel sowohl der Autor als auch der Zeichner eines Mangas. Das Wort Mangaka setzt sich aus „Manga“ und der Endung „-ka“ zusammen, was so viel wie „Macher“ oder „Schöpfer“ bedeutet.

Einige Mangaka bekommen Hilfe von Gensakusha (原作者). Gensakusha schreiben die Story und entwickeln die Handlung für den Manga. Die Mangaka sind dann dafür zuständig, die Zeichnungen zu der Story anzufertigen. Kurz gesagt, Gensakusha sind Autoren eines Manga, setzten diesen aber nicht zeichnerisch um.

Wie wird man Mangaka…

… in Japan

In Japan gilt der Mangaka als anerkannte Berufsgruppe, weswegen es in Japan etwas einfacher ist professioneller Mangaka zu werden. Hat man sich mit viel Übung und Fleiß die verschiedenen Techniken angeeignet, die nötig sind um einen Manga auf die Beine zu stellen und bringt zudem noch ordentlich Talent mit, hat man eigentlich alles was man auf seinem Weg zum Mangaka braucht. Aber wie wird man nun von einem Verlag entdeckt?

In Japan gibt regelmäßig ausgeschriebene Zeichenwettbewerbe, welche von Manga Verlagen organisiert werden, um junge und talentierte Zeichner zu finden. Dem Gewinner winken oft Veröffentlichungen in Manga Magazinen oder befristete Verträge.

In manchen Fällen bekommen auch Zeichner eine Chance, die einen Wettbewerb nicht gewonnen haben, dafür aber durch einen außergewöhnlichen Zeichenstil aufgefallen sind.

Außerdem gibt es in Japan sehr viele Fan-Manga, sogenannte Dōjinshi (gerne auch Doujinshi geschrieben) (同人誌). Diese Mangas werden oftmals im Eigenverlag veröffentlicht und sind oftmals an große und bekannte Serien angelehnt. Einige dieser Dōjinshi erfreuen sich so großer Beliebtheit, dass diese später von einem Verlag als Manga veröffentlicht werden. Als Beispiel kann hier der Manga Haibane Renmei genannt werden, welcher sogar als Anime umgesetzt wurde.

Eine weitere Möglichkeit um professioneller Manga Zeichner zu werden ist das einsenden von Präsentationsmappen an Manga Verlage. Hier besteht allerdings die Gefahr in der Masse unter zu gehen, da diese Verlage jeden Monat mehrere Tausend solcher Mappen bekommen.

Hat es ein Zeichner nun zu einem Verlag geschafft, muss er verschiedene festgelegte Positionen bei der Produktion eines Mangas durchlaufen – vielleicht ein bisschen Vergleichbar mit einer Ausbildung. Er steigt mit Assistenzarbeiten für größere Mangaproduktionen ein. Als Anfängerarbeiten zählen zum Beispiel das erstellen der Bildhintergründe oder einfügen von Rasterungen in die Bilder. Stellt sich der angehende Mangaka gut an, dann steigt er in der Team Hierarchie auf, bis er selbst die Chance auf kleinere Manga Projekte bekommt.

Da der Beruf sehr beliebt und der Konkurrenzdruck extrem hoch ist, schaffen es nur die wenigsten Mangaka berühmt zu werden und große Manga Serien mit einem eigenem Team zu erstellen. Nicht zu unterschätzen ist auch der Zeitdruck. Manche Zeichner schaffen bis zu 200 Seiten im Monat zu zeichnen, aber das sind wohl eher ausnahmen. Ich denke der Mittelwert wird irgendwo zwischen 35-100 Seite im Monat liegen.

Ein Beispiel für die erschreckende Menge an Arbeit liefert Eiichirō Oda, der Zeichner von One Piece. Es gibt Berichte darüber, dass er mehrere Jahre lang um 5 Uhr morgens aufgestanden ist, dann den ganzen Tag durchgearbeitet hat, um dann um 2 Uhr morgens wieder schlafen zu gehen. Diese Arbeitsweise hat ihn so krank gemacht, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste.

Für die Arbeit als Mangaka ist jede Menge Durchhaltevermögen, harte Arbeit und eine starke Leidenschaft für seinen Beruf notwendig. Außerdem muss man sich darauf einstellen, dass die Aufstiegschancen und das Gehalt nicht sonderlich gut sind.

… in Deutschland

Vorweg habe ich hierzu ein Video von Christina Plaka, die darüber Berichtet welche Möglichkeiten man hat um in Deutschland Mangka zu werden:

In Deutschland gibt es nur sehr wenige Mangaka und noch viel weniger die nur vom Manga zeichnen leben können. Wenn du also Mangaka werden willst, sollte dir klar sein, dass du sehr wahrscheinlich noch einen anderen Hauptberuf brauchst und das Zeichnen eher als Nebenberuf sehen solltest. Das bedeutet, dass du deinen Manga hauptsächlich in deiner Freizeit zeichnen musst.

Genau wie in Japan bietet es sich aber auch an, an Zeichenwettbewerben teilzunehmen. Diese finden zum Beispiel auf der Leipziger oder auf der Frankfurter Buchmesse statt.

Im Gegensatz zu Japan, gibt es in Deutschland keine feste Hierarchie die durchlaufen werden muss, bevor man seinen eigenen Manga veröffentlichen kann. Talentierte Zeichner bekommen meistens sofort ihre eigenen Projekte oder die Verlage veröffentlichen die bereits fertiggestellten Mangas der Zeichner. Problematisch scheint hier die mangelnde Erfahrung zu sein, wenn man als Hobbyzeichner ins Verlagswesen geworfen wird. Durch den vorhandenen Termindruck entsteht ein festes tägliches Arbeitspensum, dass erledigt werden muss um alle Abgabetermine fristgerecht einzuhalten. Brauchst du länger als die vereinbarte Zeit, weil zu vielleicht krank geworden bist oder im Urlaub warst, musst du praktisch unbezahlt die letzten Tage deiner Arbeit fertigstellen . Daher werden viele Manga-Serien gelegentlich nach kurzer Zeit abgebrochen, andere schaffen es gar nicht bis zur Veröffentlichung.

Teilweise arbeiten die deutschen Zeichner mit einem Autoren zusammen (Gensakusha), wenige haben auch mal einen Assistenten. Dadurch, dass es in Deutschland also keine Manga-Teams gibt, wie in Japan, gibt es auch nicht die Möglichkeit in einem solchen angelernt zu werden und sich hoch zu arbeiten.

Deine Doujinshi kannst du in Deutschland zum Beispiel auf der Seite Animexx hochladen und dort deinen Lesern zur Verfügung stellen.

Hast du Interesse professioneller Mangaka zu werden, dann bietet der Carlsen Verlag eine sehr gute Checkliste, die du selbstkritisch einmal durchgehen solltest. Sei ehrlich zu dir selbst, vergleiche deine Zeichnungen mit dieser Liste, erfüllt alles die Bedingungen?

Wenn alles zutrifft, dann bewirb dich doch dort als Mangaka!

Mangaka bei Carlsen werden

Eine ähnliche Checkliste mit anschließender Bewerbungsmöglichkeit findest du auch bei TOKYOPOP:

Zu der Checkliste

Auch Egmont Manga bietet eine solche Liste & Bewerbungsmöglichkeit:

Zu der Checkliste

Auf der Seite von Melanie Schober könnt ihr hierzu auch noch etwas nachlesen:

https://www.melanie-schober.at/faq/

Hier habe ich noch einen Beitrag aus dem Jahr 2011 gefunden, in dem die junge Manga – Künstlerin Sozan Coskun, die an einem Nachwuchswettbewerb teilgenommen hat, auf der Leipziger Buchmesse begleitet wurde.

Verdienst als Mangaka

Wie bereits erwähnt, ist es sehr schwer von dem Gehalt als Mangaka zu leben. Außerdem ist eine generelle Aussage über den verdienst eines Mangaka schwer zu machen, da in der Regel der Vertrag zwischen Verlag und Mangaka geschlossen wird, wobei jeder Vertrag wieder individuell ausgehandelt ist.

In Deutschland gibt es nur ein paar Mangaka die ohne Nebenjob zeichnen können. Viele nehmen nebenbei noch andere Grafikarbeiten als Job an oder betreiben das Manga zeichnen sogar nur als Nebenjob.

In Japan gibt es einige Mangaka die ihren Job hauptberuflich ausüben können. Umso erfolgreicher der Manga ist, desto größer ist auch das Team das daran arbeitet. Auch der verdienst der Assistenten ist oft vom Erfolg des Manga’s abhängig.

Ich habe versucht hier etwas konkretere Zahlen zu finden, dies hat sich allerdings als relativ schwer gestaltet. Seriöse Aussagen habe ich dazu wenige gefunden, aber es wird gemunkelt, dass Eiichirō Oda, der Zeichner von One Piece, etwa 18-26 Millionen Euro im Jahr verdient. Da kommen aber natürlich auch jede Menge Einnahmequellen zusammen. Der One Piece Manga an sich, die Lizenzen für Figuren, Spielzeug, Videospiele, Kleidung, den One Piece Freizeitpark und natürlich der Anime.

Ich habe sehr viel recherchiert und ein paar Zahlen gefunden, die ich euch hier jetzt vorstellen werde. Alle Angaben natürlich ohne Gewähr.

Laut einem Bericht von Animenewnetwork, aus dem Jahre 2011, kamen die Top 100 Mangaka in Japan im Jahr 2009 auf ein durchschnittliches Einkommen von etwa 70 Millionen Yen (etwa 572 000€).

In dem Bericht geht es außerdem um die anderen 5200 Mangaka, die in dem Jahr 2009 einen Manga veröffentlicht haben. Diese kommen auf ein durchschnittliches Einkommen von etwa 2.8 Millionen Yen (etwa 22 800€). Zum Vergleich: Das durchschnittliche Einkommen in Japan lag bei 4.09 Millionen Yen (etwa 33 500€). Um auf dieses Einkommen zu kommen, müsste ein Mangaka etwa 120 000 kopien ihrer jährlichen Veröffentlichungen verkaufen.

Wichtig zu wissen ist noch, dass ein Mangaka in der Regel pro Seite bezahlt wird. Dabei liegt der verdienst pro Seite bei etwa 50 – 100€. Wenn es sich um eine Serie handelt, um ein Special oder eine kolorierte Seite, dann kann der Preis pro Seite auch steigen. Der genaue Preis ist aber immer Verhandlungssache mit dem Verlag.

Als Assistent kann man etwa zwischen 1500€ und 2500€ verdienen, was für Japan kaum zum überleben reicht, da dort die Lebenshaltungskosten wesentlich höher sind als in Deutschland.

Deutsche Mangaka können etwa zwischen 8000€ und 12000€ pro Manga im Jahr verdienen. Wenn man mit einem fertigen Manga pro Jahr rechnet, dann sind 12000€ Verdienst nicht wirklich genug um davon zu leben.

Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel. Es gibt einige wenige die, bei einem sparsamen Lebensstil, durchaus davon leben können. Dies ist immer abhängig von dem Vertrag mit dem Verlag und dem ausgehandelten Honorar.

Zusammenfassend kann man zu diesem Thema wohl sagen, dass man als Mangaka in Deutschland auf keinen Fall reich werden kann, wahrscheinlich wird man es nicht einmal schaffen Hauptberuflich als Mangaka zu arbeiten, ohne noch zumindest einen anderen Beruf aus zu üben oder sich einen anderen Nebenverdienst aufzubauen.

In Japan können einige Manga Zeichner von ihrer Tätigkeit gut leben, vor allem die, die eine Serie mit großer Reichweite produzieren. Bei den Assistenten und den kleinen Mangakas wird es auch schwer über die Runden zu kommen, diese Leben oft am Existenzminimum.

Berühmte japanische Mangaka

Berühmte japanische Mangaka gibt es super viele. Ich habe hier eine kleine Auswahl getroffen, wobei die Zeichner nicht nach Erfolg oder Verkaufszahlen sortiert sind.

Rumiko Takahashi

Rumiko Takahashi (geboren am 10. Oktober 1957), auch bekannt als die Prinzessin des Manga, ist eine der reichsten Privatpersonen Japans und war als erste Frau in der Lage sich in dem Bereich der Shōnen-Mangas einen Namen zu machen. Neben den Mangas, die sie seit ihrem 18 Lebensjahr zeichnet, schreibt sie auch Kurzgeschichten. Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr mit Ranma 1/2 und anschließen mit Inu Yasha.

Akira Toriyama

Dragon Ball MangakaAkira Toriyama (geboren am 5. April 1955), ist der Zeichner von Dragon Ball. Dragon Ball ist einer der erfolgreichsten Mangas allerzeiten. Er gründete sein eigenes Zeichenstudio mit dem Namen „Bird Studio“ und war bei der Gestaltung einiger Videospiel Charaktere beteiligt, zum Beispiel bei der Dragon-Quest Reihe. Bei dem aktuell laufenden Dragon Ball Super Manga stammt nur noch die Handlung von ihm, die Zeichnungen sind von Toyotarō.

Mavashi Kishimoto

Naruto MangakaMavashi Kishimoto (geboren am 8. November 1974) ist der Zeichner des Naruto Mangas. Durch den großen Erfolg von Naruto wurde er zu einem der am Besten verdienenden japanischen Manga-Zeichner.

Hiro Mashima

Fairy Tail MangakaHiro Mashima (geboren am 3. Mai 1977), hat seinen Durchbruch mit dem Manga RAVE geschafft, welcher auch als Anime umgesetzt wurde. Die Handlung von RAVE ist abgeschlossen. An den Erfolg von RAVE konnte Mashima mit dem Manga Fairy Tail anschließen, welcher seit 2006 wöchentlich im Shōnen Magazine erscheint. Auch dieser Manga hat eine Animeumsetzung, welche zur Zeit 265 Folgen hat.

Eiichirō Oda

One Piece MangakaEiichirō Oda (geboren am 1. Januar 1975), ist der Zeichner des weltweit erfolgreichsten Mangas, One Piece. Es war schon immer sein Traum Mangaka zu werden. Oda ist bekannt für sein unglaubliches hohes Arbeitspensum. Genau wie Hiro Mashima ist sein Zeichenstil inspiriert von Akira Toriyama.

Bekannte deutsche Mangaka

Wenn man einen Blick auf die Deutsche Mangaka Szene wirft, fällt auf, dass diese vor allem von Frauen dominiert wird, wohingegen in Japan scheinbar mehr Männer in dieser Branche tätig sind. Hier habe ich eine kleine Auswahl aus den deutschen Künstlern aufgestellt.

Christina Plaka

Christina Plaka fing bereits mit 11 Jahren an ihre ersten Marvel Comic Figuren zu zeichnen und fand dann den Weg zum Manga. Sie hat sowohl beim Carlsen Verlag als auch bei Tokyopop ihre Werke publiziert.

Sie bietet neben ihren Mangas auch Zeichenkurse in verschiedenen Städten an, welche man über ihre Website buchen kann. Zudem bietet sie zweimal im Jahr einen „Open Campus“ an, bei dem sie kostenlose Schnupperkurse zum Thema „Manga zeichnen“ gibt.

Veröffentlichungen:

  • Prussian Blue
  • Yonen Buzz
  • Herrscher aller Welten
  • Kimi he – Worte an dich

Judith Park

Die deutsche Mangaka koreanischer Abstammung, gewann mit ihrer Kurzgeschichte „a rotten day“ den Zeichenwettbewerb „Manga Magie“ in Köln. Sie setzte sich dabei gegen 90 Konkurrenten durch und bekam dadurch das erste Mal Aufmerksamkeit als Zeichnerin.

Veröffentlichungen:

  • Dystopia
  • Penpal
  • Ysqaure
  • Vacation Club
  • Luxus

Robert Labs

Bekannt geworden ist Robert Labs auf einem eher ungewöhnlichen Weg. Er hat einen Comic zu Tomb Raider 2 von Eidos Interactive gezeichnet und wurde dadurch entdeckt. Neben seinen Mangas hat er auch Werke im normalen Comic Stil veröffentlicht. Auf Aniemepro gibt es ein sehr ausführliches Interview mit ihm, welches einen guten Blick hinter die Kulissen und seinen Werdegang gibt.

Veröffentlichungen:

  • Dragicmaster
  • Crewman 3
  • The Black Beach
  • Domicile

Anne Delseit

Anne Maren Delseit hat Rechtswissenschaften studiert und arbeitet seit 2008 für verschiedene Medien als Autorin und Journalistin. Sie hat vor allem durch ihren Manga Lilientod Bekanntheit erlangt, den sie zusammmen mit der Mangaka Martina Peters beim Carlsen Verlag veröffentlicht hat. Mehr zu ihr findet ihr auch auf ihrer Website.

Veröffentlichungen:

  • Lilientod
  • Young Prophets
  • In maiorem dei gloriam: Zum höheren Ruhme Gottes

Olga Andriyenko (Asu) & Dorota Grabarczyk (Reami) auch bekannt als DuO

Bei dem Duo Olga Andriyenko und Dorota Grabarczyk, die auch unter den Pseudonymen Asu und Reami auftreten, handelt es sich um eine Mangaka (Asu) und eine Gensakusha (Reami). Sie haben neben ihrem Manga Mon-Star Attack, der beim Egmont Verlag veröffentlicht wurde, unter anderem für das Magazin Wendy gearbeitet und entwarfen Logos für STABILO.

Veröffentlichungen:

  • Rabu Rabu Butabara
  • Mon-Star Attack
  • Indépendent
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